1.
Die Veränderung der koreanischen Undonggwon in den 1990er Jahren begann mit dem Zusammenbruch der stalinistischen Staaten Osteuropas. Die kapitalistische Umstrukturierung dieser Länder, wie sie auch in China von MAOs Nachfolgern betrieben wurde, diskreditierte weitgehend die Hauptströmungen innerhalb der Volksdemokraten (orthodoxe Sozialisten, im Folgenden: PD – »People‘s Democrats«), die den Bolschewismus in stalinistischer Gestalt zu ihrer Doktrin gemacht hatten.
Hinzu kam 1995-1998 die große humanitäre Katastrophe in Nordkorea. Die offensichtliche Unfähigkeit des nordkoreanischen Staates, seinen Bürgern das Grundrecht physischen Überlebens zu gewährleisten, schmälerte die Anziehungskraft der an Pyongyang orientierten Linksnationalisten erheblich. Innerhalb der Undonggwon wurde unüberhörbar die Forderung nach einer Erneuerung der ideologischen Basis erhoben, die sowohl das Dogma des »Sozialismus in einem [geeinten] Land« als auch die starre Bindung an den »antihegemonialen Nationalismus« und seiner »befreiten Zone« im Norden überwinden sollte.
In einer Atmosphäre lebendiger Diskussion, in der jedoch auch das Gefühl der Krise deutlich zu spüren war, wuchs das Interesse an weniger orthodoxen Methoden des »Kampfes für den Fortschritt«.
Am Ende gingen einige der vormals radikalen Studenten zur antimilitaristischen Bewegung.
Der 1977 geborene PD-Aktivist NA Dong-Hyeok begründete seine Kriegsdienstverweigerung am 12. September 2002 unter anderem damit, dass der »auf Ausschluss basierende Verteidigungnationalismus (Koreas) typisch für ein Land ist, das einen Krieg durchgemacht hat. Er wird aber auch benutzt, um die Gesellschaft im Namen der nationalen Sicherheit zu kontrollieren und zu lähmen, die Fantasie der Menschen einzuschränken und es ihnen angenehm und natürlich erscheinen zu lassen, in ihrem Alltagsleben kontrolliert zu werden.«24 Hong Sehwa, aaO. In seinem Fall führte das zu dem Entschluss, gegen die Logik des »nationalen Sicherheitsstaates« zu kämpfen, die durch den Nationalismus gestützt wird.25 NA selbst beschrieb seine Verweigerung als Fortsetzung seines früheren Kampfes gegen den Kapitalismus und den kapitalistischen Staat und hob den Zusammenhang zwischen Kriegsführung und Profitwirtschaft im modernen kapitalistischen Weltsystem hervor. Siehe: Aussaideo-eui mal (Worte der Außenseiter), Seoul: Aussaideo, 2004.
Die Tatsache, dass die Vertreter der beiden konkurrierenden systemkritischen Ideologien, PD und NL (»National Liberation« – linke Nationalisten), schließlich Gefährten im antimilitaristischen Kampf wurden, mag paradox erscheinen. Sie zeigt aber, dass das Aufkommen des Antimilitarismus in der Logik der Entwicklung der koreanischen sozialen Bewegung in den 1990ern lag. Diese Logik trieb die Konfrontation mit dem Staat in tiefere Schichten der koreanischen »Lebenswelt« voran und forderte den »nationalen Sicherheitskomplex« heraus, auf dem die gesamte Konstruktion der herrschenden Ideologie Koreas beruht.

2.
Der zweite Faktor, der die Zunahme der Kriegsdienstverweigerungsbewegung beeinflusste, war das allgemeine Erstarken der Linken in Korea im Gefolge einschneidender Ereignisse.
Dazu zählen der seit 1946 erste landesweite Generalstreik von Dezember 1996 bis Februar 1997, die Finanzkrise in Asien und die Regierungsübernahme durch KIM Dae-Jung im Februar 1998. Die am 30. Januar 2000 von moderaten PD-Aktivisten gegründete KDLP wandte sich gegen den Neoliberalismus und trat für den Wohlfahrtsstaat und für den Frieden ein.26 Anfangs fand sich im Parteiprogramm noch nicht einmal das Wort »Nation« (minjok). Linke Nationalisten gingen 2002-2003 in Massen in die KDLP und es gelang ihnen, einige führende Positionen bei den Wahlen in der Partei im Juni 2004 zu übernehmen. Sowohl bei den gewerkschaftlich organisierten Arbeitern als auch bei vielen Intellektuellen und einem großen Teil der (unteren) Mittelschicht stieß die KDLP bereits bei ihrer Gründung auf großen Zuspruch.27 Im Hyeon-jin, »Han’guk- eui sahoe undong-gwa chinbo jeongdang keon- sul- e gwanhan yeon’gu« (Studie über soziale Bewegungen und fortschrittliche Parteien
in Korea), – Hanguk sahoe gwahak, Vol. 23, No. 1, 2001, S. 1-49.
Angesichts des Ausmaßes der anti kommunistischen Indoktrination der koreanischen Gesellschaft bis Mitte der 1990er waren die Erfolge der KDLP erstaunlich. Sie reflektierten die tiefe Enttäuschung der Nicht-Privilegierten der Gesellschaft über die großen
Parteien. Allein die Tatsache, dass eine legale Arbeiterpartei existierte, die auch noch den »Frieden« in ihr Programm schrieb, die Armeen in Nord- und Südkorea auf eine Stärke von 100.000 Mann reduzieren wollte und für die Abschaffung der Wehrpflicht in Südkorea und die Einführung einer Berufsarmee eintrat,28 http://intro.kdlp.org/ index.php?main_ content&content=www_ gang gab der eben entstandenen Kriegsdienstverweigerungsbewegung enormen psychologischen Auftrieb. Ziemlich viele der Kriegsdienstverweigerer dieses Jahrzehnts sind Mitglieder der KDLP. Die organisatorische Unterstützung der KDLP für die Kriegsdienstverweigerungsbewegung war allerdings sehr gering
3.
Der dritte Faktor ist der riesige Unterschied zwischen dem Zivilleben und dem Leben in den Kasernen, das oft eine unmittelbare Gefahr für Leib und Leben bedeutet. Anfang
Januar 2007 war die Zahl der von der Regierung untersuchten Todesfälle in der Armee auf 595 gestiegen.29 44% der vermuteten Opfer sind einfache Soldaten und Gefreite. Sie stehen am Ende der Hierarchie. Siehe: Um Kiyong, »Geon euimunsa jinjong 600 geon neomo« (Die Zahl der Petitionen wegen verdächtiger Todesfälle in der Armee steigt auf über 600 an), Tageszei- tung Gungmin Ilbo, 4. Januar 2007. Sogar in der vermeintlich »demokratischen« Dekade von 1995 bis 2005 gab es pro Jahr durchschnittlich 202 Tote, von denen offiziell 41% als Selbstmorde deklariert wurden. Es ist jedoch ganz offensichtlich, dass viele dieser »Selbstmorde« gewaltsame Todesfälle waren, verursacht von Schlägen als »Disziplinarmaßnahmen« der Vorgesetzten. In anderen Fällen gibt es mehr als genug Gründe anzunehmen, dass die betroffenen Wehrpflichtigen durch die institutionalisierte Brutalität des Kasernenlebens in den Selbstmord getrieben wurden.30 Die Zahlen sind der offiziellen Einführungsbroschüre des Untersuchungsausschusses zu verdächtigen Todesfällen in der Armee entnommen. Schläge waren ebenso wie andere Formen der Misshandlung (verbal, sexuell usw.) noch bis vor kurzem »normaler« Bestandteil des Militärlebens.31 In einer im November 2005 durch das Nationale Menschenrechtskomitee (Kukka in’gwon Wiweonhoe ) durchgeführten Umfrage gaben 41,1% der befragten, bei der Polizei dienen- den Wehrpflichtigen an, dass sie auf verschiedene Art und Weise misshandelt wurden: Etwa 10% nannten sexuellen Missbrauch und 12,4% Schläge. Sehr schockierend ist, dass 21,9% der von ihren Vorgesetzten Geschlagenen angaben, dass sie täglich Schläge erhielten. Siehe: Im Myeongseop, »Chun, euigyeong 41% gahok haengwi gyeongheom, irolsu ga« (41% der Wehrpflichtigen in der militarisierten Polizei und in mit Wehrpflichtigen bestückten Polizeieinheiten erleben brutale Behandlung – ist das möglich?), Beureikeu nyuseu, 14. November 2005.
DURCH KOREAS BETEILIGUNG AM IRAKKRIEG FÜHLTEN KRIEGSDIENSTVERWEIGERER SICH ERMUTIGT, DEN MILITARISMUS NICHT NUR IM EIGENEN LAND ZU BEKÄMPFEN, SONDERN AUCH DAS PHÄNOMEN PER SE
Für die Geschichte des Widerstands gegen Militarisierung und den Dienst im Militär in Südkorea sind seit der Jahrhundertwende zwei Schlüsselereignisse prägend geworden.

Das erste ist die Beteiligung südkoreanischer Soldaten im Irakkrieg 2003. Die koreanische Regierung beließ ihr Kontingent von 2.300 Soldaten mehrere Jahre im Norden des Irak und beendete den Einsatz erst im Dezember 2008. Sie beteiligte sich auch mit 360 Soldaten an der »friedenserhaltenden Mission« im Libanon, die alles andere als friedlich zu werden verspricht.35 »Assembly panel OKs Lebanon troop dispatch«, – Korea Herald, 16. Dezember 2006.
Es ist klar, dass die Beteiligung Koreas an den Kriegen der USA oder an Missionen, die mit von US-Verbündeten ausgelösten Konflikten in Verbindung stehen, den antimilitaristischen Protest innerhalb der sozialen Bewegung in Korea anfachen wird. Die Intensivierung der weltweiten Kriegsführung durch die USA und ihre Verbündeten zu Beginn dieses Jahrhunderts, zusammen mit wachsenden Spannungen auf der koreanischen Halbinsel nach der Amtsübernahme durch George W. Bush im Januar 2001, scheinen den pazifistischen Strang der sozialen Bewegungen in Korea gestärkt zu haben. Die Kriegsdienstverweigerer fühlten sich ermutigt, nicht nur den Militarismus im eigenen Land zu bekämpfen, sondern auch das Phänomen des Militarismus als solches.
Eine weitere für die koreanischen Pazifisten bedeutsame Auseinandersetzung war der Kampf gegen die Vertreibung von Bewohnern der Orte Daechuri und Doduri in der Nähe von Pyeongtaek, als die Regierung beschlossen hatte, 1.100 Hektar des dortigen Landes zu konfiszieren, um Camp Humphreys, eine Basis der United States Force Korea (USFK), zu vergrößern. Die Kampagne dauerte über ein Jahr und gipfelte am 5. Mai 2006 in der gewaltsamen Räumung widerständiger Bauern und Aktivisten durch etwa 13.000 koreanische Soldaten.36 Das war das erste Mal seit dem Massaker von Gwangju 1980, dass die Armee gegen unbewaffnete Zivilisten eingesetzt wurde. Die Aktion war unbestreitbar weniger gewalttätig– »nur« 200 Menschen wurden verletzt und etwa 500 verhaftet. Siehe: Natasha Persaud, »U.S. base expansion in Korea sparks protests.« Unter den Verteidigern von Daechuri waren mehrere Kriegsdienstverweigerer, und »Welt ohne Krieg« veröffentlichte einen scharfen Protest gegen die Gewalt von Militär und Polizei in Pyeongtaek. Die Organisation kritisierte, dass der moderne koreanische Staat das Recht auf Gewalt monopolisiert habe, sein Verhalten aber dem einer organisierten Verbrecherbande gleiche.37 Cheong Inmi, »Zaitun budae pabyeong yeonjang dong-eui-an gukbangwi tonggwa« (Der Antrag zur Verlängerung des Einsatzes der Zaitun Einheit [im Irak] wurde vom Verteidigungskomitee (des Parlamentes) angenommen), – Minjung-eui sori, 12. Dezember 2006.
DIE BEWEGUNG DER KRIEGSDIENSTVERWEIGERER – EIN SAMMELBECKEN SOZIALER AKTIVISTEN
Die südkoreanische Bewegung der Kriegsdienstverweigerung dieses Jahrhunderts ist äußerst heterogen: Die radikalen Sozialisten wie LEE Won-Pyo haben zum Beispiel völlig andere politische und soziale Auffassungen als Aktivisten von sexuellen Minderheiten wie IM Tae-Hun. Aber es ist interessant, die zahlreichen Querverbindungen innerhalb der Bewegung zu beobachten: Einige religiöse Verweigerer, insbesondere KIM Do-Hyeong, sind im Umweltbereich aktiv. Andere, wie OH Tae-Yang, wurden Mitglied der KDLP und versuchten zäh, ihre religiöse Überzeugung und ihre (gemäßigten) sozialistischen Ideale in Einklang zu bringen. Praktisch alle Kriegsdienstverweigerer, die sich in dem Bündnis »Welt ohne Krieg« zusammengeschlossen haben, waren sehr aktiv in den Kampagnen gegen die Entsendung koreanischer Truppen in den Irak und gegen die Vertreibung der Einwohner von Daechuri und Doduri.
Das Aufbruchsignal für die Kriegsdienstverweigerungsbewegung des neuen Jahrhunderts gab OH Tae-Yang mit seiner öffentlichen Verweigerung am 17. Dezember 2001. OH, 1975 in Gwangju geboren, war schon früh traumatisiert worden, als er 1980 die Gewalt der Soldaten beim Massaker von Gwangju erleben musste. Traumatisch war für ihn aber auch die allgegenwärtige Gewalt in den Familien und im sozialen Leben Koreas. Nach Abschluss der Pädagogischen Hochschule in Seoul wurde er tiefgläubiger Buddhist, führte zugleich ein Leben als sozialer Aktivist und arbeitete Vollzeit für die buddhistische humanitäre Organisation»Good Friends« (Joeun beot deul).38 Er unterstützte ehrenamtlich ältere Menschen, die keine Unterstützung durch eine Familie hatten (mu woetak noin), und unterrichtete auch »problematische« Kinder aus armen Familien an einer von einer nichtstaatlichen Organisation betriebenen Abendschule, statt der »normalen« Karriere als Lehrer zu folgen. Siehe: »Kukka bodan gaein-eui in’gwon-i deo sojung« (Individuelle Menschenrechte sind wichtiger als der Staat), – Daily Hankyoreh, 28. Juni 2002. Sein Entschluss zur Kriegsdienstverweigerung lag teilweise in OHs Beteiligung an den sozialen Aktivitäten begründet, ist aber vor allem Ausdruck seines buddhistischen Glaubens – mit dem Gebot, kein Leben zu nehmen – und der Überzeugung, dass Gewalt niemals zum Frieden führen kann.39 O Taeyang’s http:// www.haeinsa.or.kr/ maroo/board/? hlq=vie w_o&num=95&pg=2& tbid=newsbud OH Tae-Yang’s bahnbrechender Erklärung und der dadurch ausgelösten Kontroverse folgten nach und nach weitere Coming-outs anderer Kriegsdienstverweigerer.
Die etwa 30 Kriegsdienstverweigerer, die zwischen 2001 und 2007 ihre Verweigerung erklärten und nicht den Zeugen Jehovas angehörten, können in folgende Gruppen eingeteilt werden:
- Sozialistische / Linksnationalistische Aktivisten
Bislang ist die Zahl der sozialistischen Kriegsdienstverweigerer in Korea im Vergleich zur Größe des sozialistischen Milieus sehr klein. Das liegt sowohl am Druck der Familien als auch an den drastischen Einschränkungen, die eine Vorstrafe wegen Kriegsdienstverweigerung im Berufsleben und in der politischen Karriere mit sich bringen kann. Aber die Überzeugung, dass Kriegsdienstverweigerung ein Grundrecht in einem (kapitalistischen) Staat ist, scheint bei den politischen Radikalen in Korea ein allgemein akzeptierter Glaubenssatz geworden zu sein, mit Ausnahme vielleicht des harten Kerns der an Pyongyang orientierten Linksnationalisten.

- Religiöse Kriegsdienstverweigerer
Die jungen Aktivisten, insbesondere der katholischen und buddhistischen Gemeinden, haben zumeist progressive Vorstellungen. Sie tendieren dazu, Sympathie für »ihre« Kriegsdienstverweigerer zu empfinden oder sie zumindest zu verstehen – als aktive Glaubensbrüder, deren tiefe Religiosität in ihrem Umfeld wohlbekannt ist. Die Religionsgemeinschaften selbst, denen die Verweigerer angehören, halten sich jedoch sehr zurück. Die großen buddhistischen Institutionen in Korea haben öffentlich niemals klar zum Thema der Kriegsdienstverweigerung Stellung bezogen. Entweder sehen sie sich außerstande, ihre langjährige Zusammenarbeit mit dem koreanischen Militär umfassend, logisch und schlüssig zu rechtfertigen, oder sie scheuen mit Blick auf die progressiven jungen Buddhisten davor zurück, ihre pro-militärische Haltung zu bekennen. In privaten Interviews betonten sie jedoch den Vorrang der Pflichterfüllung der koreanischen Buddhisten (Gungmin-euro- seo-ui bulja) gegenüber dem Staat und die Beziehung zwischen dem Opfer für den Staat und der Verwirklichung buddhistischer Ideale.
Die Katholiken schenkten den weltweiten Trends des religiösen Pazifismus und den biblischen Rechtfertigungen der Kriegsdienstverweigerung in der Regel mehr Aufmerksamkeit: Kardinal KIM Su-Hwan sagte im März 2002 in einem Interview des Bildungsfernsehens (Gyoyuk bangsong), dass ein alternativer Dienst für Kriegsdienstverweigerer im Prinzip akzeptabel sei, solange er nicht das Verteidigungspotential des Staates bedrohe.40 Sin-Yuk Dong-uk, »Hanguk katollik choecho-eui byeongyeok geobu!« (Der erste Kriegsdienstverweigerer der koreanischen Katholiken!), – Weekly Hankyoreh 21, Issue 583, 1. November 2005. Aber trotz der endgültigen Anerkennung der Kriegsdienstverweigerung durch den Vatikan 1965 vermeidet es die katholische Führung in Korea weiterhin, die Kriegsdienstverweigerer aus den Reihen ihrer Kirche offiziell und öffentlich zu bestärken. Sie ist sichtlich nicht bereit, die vorherrschenden militaristischen Normen der Gesellschaft anzugreifen und die eigene kooperative Beziehung mit dem Militär zu stören.41 Bezeichnenderweise erklärte der Vertreter des Komitees für Gerechtigkeit und Frieden (Jong-eui Pyeonghwa Wiweon- hoe) des Koreanischen Katholischen Bischofsrates (Hanguk Cheonjugyo jugyo hoe-eui) im Dezember 2005, dass »es unter den Bedingungen der Nord-Süd Konfrontation zu früh scheint, einen alternativen Dienst einzuführen«. Er fügte jedoch gleich hinzu, dass »der alternative Dienst auf lange Sicht eingeführt werden sollte.« Yi Pongseok, »Jonggyo-gye yangsimjeok byeongyeok geobu’ eotteoke bona.«
Die Haltung der Protestanten ist äußerst gespalten. Auf der einen Seite drängte der progressive Nationale Koreanische Rat der Kirchen (KNCC: Hanguk gidokgyo gyohoe hyeobuihoe) die Regierung im Mai 2004 offiziell dazu, schnell einen alternativen Dienst für Pazifisten einzuführen und ihre Inhaftierung zu beenden. Auf der anderen Seite erklärte der konservative Christliche Rat Koreas (CCK: Hanguk gidokgyo chongyeonhaphoe), dass die Einführung eines alternativen Dienstes möglicherweise nur »die öffentliche Harmonie zerstört und die nationale Sicherheit gefährdet«.42 Yi Pongseok, »Yi Pongseok, »Jonggyo-gye yangsimjeok byeongyeok geobu eotteoke bona«
C. Umweltaktivisten und Anhänger eines alternativen Lebensstils
Die gemeinsame Motivation dieser wachsenden Gruppe ist, neben der Weigerung, sich zum Töten ausbilden zu lassen, ihre Abneigung gegen den autoritären Charakter des militärischen Alltags. Sie haben einen ausgeprägten Widerwillen gegen die Uniformität und den absoluten Gehorsam des Kasernenlebens. Den wohl deutlichsten Ausdruck findet diese Abscheu in den Interviews und Artikeln des wohl unkonventionellsten Vertreters des »alternativen Korea«, des Anarchisten CHO Yak-Kol.43 Cho (auch bekannt als Dopehead-Cho), ein berühmter Sänger und Liedermacher und aktiv in einer feministischen, nichtstaatlichen Organisation, unterstützte die Kriegsdienstverweigerungsbewegung von Anfang an aktiv und baute verschiedene antimilitaristische Webseiten auf. Er erklärte, die Tolerierung der »totalen Uniformität« des militärischen Lebens käme einer Zusammenarbeit mit dem Militarismus gleich, der mit seinen Techniken zur Disziplinierung die Basis des gesamten koreanischen Staatssystems sei. Siehe: »Modeun pongnyeok-gwa moryeok-e bandaehanda!« (Ich bin gegen Gewalt und militärischen Zwang in all ihren Formen!), – Weekly Hankyoreh 21, Issue 352, 27. März 2001.
Die Umweltbewegung wächst, und für Minderheiten mit anderer sexueller Orientierung oder anderen Lebensstilen wird es zusehends leichter, sich öffentlich zu bekennen. Es ist zu erwarten, dass aus diesem Milieu weitere Kriegsdienstverweigerer kommen werden, die nicht nur durch ihre gewaltfreien Überzeugungen motiviert sind, sondern auch durch ihre Entfremdung vom koreanischen Staat mit seinem hartnäckigen Fortschrittsglauben, seiner beharrlichen Missachtung der Umweltbelange und der ständigen »Disziplinierung« im Bildungsbereich wie auch in den Kasernen.
Die Bewegung der Antimilitarist*innen bzw. Kriegsdienstverweigerer in der koreanischen Öffentlichkeit scheint zu einer »Zone der Kooperation« unterschiedlicher sozialer Aktivismen zu werden – einer Zone, in der sich die verschiedenen, oft im Konflikt stehenden Strömungen der koreanischen sozialen Bewegung gegenseitig befruchten können. Der Kampf gegen den Wehrpflichtstaat erweist sich heute, zusammen mit einigen anderen Themen der Außen- und Innenpolitik (Rückzug aus dem Irak, Boykott von Chosun Ilbo usw.), als gemeinsamer Nenner der ansonsten heterogenen sozialen Bewegung. Aber während in den progressiven Kreisen Koreas das Recht auf Wahlfreiheit bezüglich des Militärdienstes eine von allen getragene Forderung zu sein scheint, spielt es im Bewusstsein der allgemeinen Öffentlichkeit noch kaum eine Rolle.
EIN LANGER WEG ZUR OFFIZIELLEN UND ÖFFENTLICHEN ANERKENNUNG?
Als konkretes, kurzfristiges Ziel der Kriegsdienstverweigerungsbewegung kann die Einführung eines alternativen Dienstes für Wehrpflichtige mit pazifistischen Überzeugungen definiert werden, als langfristiges Ziel die Hinterfragung der »militarisierten Bürgerschaft« und des ideologischen Rahmens des »nationalen Sicherheitsstaates«. Hinzu kommt die Legitimierung von Gewaltfreiheit als neuer, alternativer Norm gesellschaftlichen und individuellen Verhaltens.44 http://www.without- war.org/intro1.htm Aber obwohl der Pazifismus innerhalb der sozialen Bewegungen an Bedeutung gewonnen hat, konnte die Kriegsdienstverweigerungsbewegung bislang nur einen sehr geringen Wirkungsgrad entfalten. Der Weg zur Anerkennung pazifistischer Überzeugungen, sowohl auf der rechtlichen Ebene wie auch im öffentlichen Bewusstsein, scheint noch sehr lang zu sein.
Der Druck von außen – die Tatsache, dass das Recht auf Kriegsdienstverweigerung von der Menschenrechtskommission der Vereinten Nationen als bürgerliches und politisches Grundrecht anerkannt ist,45 Hier: http://www.hri.ca/ fortherecord2002/vol1/ objectionchr.htm die Empfehlung der Kommission vom Dezember 2006, die südkoreanische Regierung möge inhaftierte Kriegsdienst Verweigerer entschädigen und die Inhaftierung von Kriegsdienstverweigerern beenden,46 Yu Sinmo, »Yu-en in’gwon-wi yangsim- jeok byeongyeok geobu sugamja-eui bosang« (UN-Menschenrechtskommission verlangt Entschädigung für inhaftierte Kriegsdienstverweigerer), – Daily Kyunghyang Sinmun, 8. Dezember 2006. und die Tatsache, dass das Anliegen der koreanischen Kriegsdienstverweigerer bei vielen Menschenrechtsgruppen in aller Welt zunehmend Aufmerksamkeit erfährt – hat anscheinend den Kurs der südkoreanischen Regierung nicht wirklich beeinflusst. Bislang scheint die ideologische Herrschaft des »nationalen Sicherheitsstaats« festen Bestand zu haben, trotz aller Herausforderungen durch die Verweigerungsbewegung und die sie unterstützenden nichtstaatlichen Organisationen in den letzten Jahren.
In den letzten sechs bis sieben Jahren haben Rechtsexperten, Geschlechterforscher und Aktivisten mehrere hervorragende Bücher zu den Themen Militarismus, Wehrpflicht und Recht auf Kriegsdienstverweigerung veröffentlicht,47 Zum Beispiel die wegweisende Arbeit von Prof. Kim Dusik (Jura) zur Weltgeschichte der Kriegsdienstverweigerung, Schwerter zu Pflugscharen (Kar- eul chyoso boseup-eul, Seoul: Nyuso aen choi, 2002), der Beitrag von Yi Namseok (Politologie) zu den Prinzipien der Kriegsdienstverweigerung und den immanenten Trugschlüssen der Theorie des »gerechten Krieges«, Kriegsdienstverweigerung und Ziviler Ungehorsam (Yangsim e ttareun byeongyeok geobu-wa simin bulbokjong, Seoul: Korinbi, 2004), oder Prof. Kwon Insuks (Geschlechterforschung) allgemeinverständliche Analyse der ideologischen Strukturen des koreanischen Militarismus, Die Republik Korea ist eine Armee (Daehan Min’guk-eun gundae da, Seoul: Cheongnyeonsa, 2005). und mehrere populäre Medien, darunter die Tageszeitung Daily Hankyoreh und die Wochenzeitung Weekly Hankyoreh, haben prinzipiell und konsequent die Einführung eines alternativen Dienstes befürwortet. Dennoch weigert sich die Mehrheit der konservativen Medien, den Menschenrechten Vorrang gegenüber der »heiligen« Sache der »nationalen Sicherheit« einzuräumen. Mehrere polemische Leitartikel warnten vor der »großen Gefahr einer um sich greifenden Verweigerungshaltung gegenüber dem Militär«, während andere ihre Zweifel am Existenzrecht des Nationalen Menschenrechtskomitees äußerten, nachdem dieses »so weit gegangen war, sich an die Seite der Militärdienstverweigerer« zu stellen.48 »Sasol: Jajungjiran in’gweon-wi, isseoya hana« (Editorial: Intern zerstrittenes Menschenrechtskomitee – darf es existieren?), – Daily Heraldeo« Kyeong je, 27. September 2006.
Am stärksten wirkte sich aus, dass das Fernsehen, mit seinem hohen Durchdringungsgrad und seiner Fähigkeit, das »Einverständnis der Bevölkerung« herzustellen, nur selten über Kriegsdienstverweigerungsthemen berichtete; und wenn doch, lag der Schwerpunkt bei den möglichen »negativen Einflüssen« der Verweigerung auf die49 Zum Beispiel zeichnete der wichtigste öffentliche Fernsehsender, KBS (Han’guk bangsong gongsa), in einem Kommentar zur Empfehlung des nationalen Menschenrechtskomitees, das Recht auf Kriegsdienstverweigerung anzuerkennen, das erschreckende Bild einer Situation, in der »alle zu dieser Religionsgemeinschaft konvertieren, die ihre Anhänger dazu verpflichtet, den Dienst zu verweigern (die Zeugen Jehovas, W.T.)«. Er spielte auf die weit verbreitete Unzufriedenheit über die De-facto-Wehrpflicht für Arme« in Korea an und äußerte die Befürchtung, der alternative Dienst könne »zu einem neuen Privileg werden«. Siehe: Im Changgeon, »Nyuseu haesol: »yangsimjeok byeongyeok geobu wa anbo eui jeopjeom« (Kommentar: Wo »Kriegsdienstverweigerung« und »nationale Verteidigung« zusammentreffen) , – KBS, 29. Dezember 2005. »nationale Verteidigung«. Die Schulen lehren in Gemeinschaftskunde weiterhin, dass der Militärdienst eine »heilige Pflicht« für alle koreanischen Männer ist, unentbehrlich für Männlichkeit und koreanische Identität. Lehrer, die dies verweigern, werden immer noch bestraft.50 Zum Beispiel wurde im August 2006 Yi Yeongseok, Lehrer und Gewerkschaftsangehöriger, der an einer Schule in Puchun in der Nähe von Seoul unterrichtete, für drei Monate vom Dienst suspendiert, weil er »seinen Schülern ein Wertesystem vermittelte, das die Grenzen des gemeinsamen Verständnisses unserer Gesellschaft überschritt«, indem er lehrte, dass die Pflicht zum Gruß der Nationalflagge als ein totalitäres Ritual angesehen werden könne und man als Rekrut die Logik staatlich sanktionierter Gewalt nicht leichtfertig verinnerlichen sollte, da die Armee die Institution sei, die alleine die Gewalt in Händen halte. Siehe: »Haksaeng gwa hakbumo bohoharyeo haetta« (Wir sind da, um Schüler und ihre Eltern zu schützen), – Weekly Hankyoreh21, 17. August 2006. Laut einer 2005 im Auftrag des Verteidigungsministeriums durchgeführten Umfrage befürworten nur 23,3% der Befragten die Einführung eines alternativen Dienstes. Beachtlich ist allerdings, dass die Idee von 36,6% der Jugendlichen im wehrpflichtigen Alter befürwortet wird.51 Na Kichon, »Gungmin 72% Daeche bongmu andoenda, kundae gaya«, – Daily Segye Ilbo, 29. Oktober 2005.

Das heißt jedoch nicht, dass die Kriegsdienstverweigerungsbewegung seit 2000 nichts erreicht hat. Auch wenn die ideologische Hegemonie der alternativlosen Wehrpflicht weitgehend Bestand hat: Das ideologische Monopol ist für immer dahin. Das Thema der antimilitaristischen Bewegung, einst ein Tabu, ist nun fester Bestandteil der öffentlichen Debatte. Es wird weiterhin die orthodoxen Ansichten zu Staatsbürgerschaft und normativer Männlichkeit herausfordern. Mit ihrem Erscheinen in den fortschrittlichen Medien präsentieren die Kriegsdienstverweigerer, die freiwillig Gefängnisstrafen und, nach ihrer Freilassung, die Gefahr des Ausschlusses aus der Mitte der Gesellschaft in Kauf nehmen, ein Bild aufopfernder Überzeugung, ganz im Einklang mit traditionellen konfuzianischen Werten der Treue zu den eigenen Grundsätzen und des Durchhaltens unter widrigen Umständen. Zugleich verweigern sie standhaft dem Staat die Erlaubnis, ihre Körper und Köpfe in den Kasernen zu disziplinieren, und zeigen mit ihrem Beispiel, dass der Beitritt zur Armee nicht der einzige Weg ist, ein »richtiger Mann« zu werden. Allein die Tatsache, dass die Regierung zum Thema Kriegsdienstverweigerung und Einführung eines alternativen Dienstes »Beratungsbedarf« sieht, könnte schon dazu beitragen, den Mythos der »Heiligkeit« der militärischen Pflicht zu zerstören: Wenn sie wirklich heilig wäre, würden sich die Ersten im Staate doch kaum erlauben, »Blasphemie« zu begehen, indem sie Alternativen erwähnen.
Die Kriegsdienstverweigerungsbewegung greift das staatlich sanktionierte Vorbild des männlichen Bürgers, der sich freiwillig der Armeedisziplin unterwirft, an und geht damit über die Debatte um Wehrpflicht und Kriegsdienstverweigerung hinaus. Wenn der Militärdienst eine Frage der Wahl ist – mit dem individuellen Gewissen als Entscheidungskriterium – könnte das gleiche auch für das gesamte Spektrum der Beziehungen zwischen Individuen und den mächtigen institutionellen Akteuren des sozialen Lebens gelten.

Wenn einmal der staatlich geförderte Militarismus durch einen Akt des individuellen Gewissens abgelehnt werden kann, kann das Gleiche auch dem Fortschrittsglauben widerfahren, der Konzerne wie Samsung Electronics zu unantastbaren »Eckpfeilern der nationalen Wirtschaft« erklärt und jede konsequente, tiefgehende Kritik an ihrem Management oder ihrem Umgang mit Umwelt und Mitarbeitern unterbindet, insbesondere im Ausland, wo Samsung »Devisen für das Mutterland verdient«. Ebenso wird die repressive Politik gegenüber Arbeitsmigrant*innen herausgefordert, die im Namen der »nationalen Interessen« betrieben wird und die legale langfristige Einwanderung zumeist asiatischer und afrikanischer Handarbeiter nach Korea praktisch unmöglich macht – die Immigranten haben keine Hoffnung auf ein dauerhaftes Aufenthaltsrecht.
Kurz, der Angriff auf die »Heiligkeit« der Wehrpflicht ist in seiner Konsequenz ein umfassender Angriff auf alle Bereiche der offiziell gestützten Überzeugungen und Werte, die in ihrer Gesamtheit die Herrschaftsideologie Koreas bilden. Wenn dieser Angriff mit der heutigen Intensität weitergeführt wird, ist zu erwarten, dass er die von den herrschenden Gruppen oktroyierten Überzeugungen weiter untergräbt und schließlich vielleicht zu einer Neudefinition der herrschenden Ideologie beiträgt.
Der Beitrag ist eine auszugsweise, bearbeitete Fassung von Vladimir Tikhonovs Aufsatz »Militarism and Anti-militarism in South Korea: ‘Militarized Masculinity’ and the Conscientious Objector Movement« erschienen im Sammelband Contemporary South Korean Capitalism: Its Working and Challenges, Vol. 12-1- 09 von Oslo Academic Press und im März 2009 in The Asia-Pacific Journal (http://www.japanfocus.org/-Vladimir-Tikhonov/3087).
Deutsche Übersetzung von Rudi Friedrich und Heike Makowski von Connection e.V.
- 24Hong Sehwa, aaO.
- 25NA selbst beschrieb seine Verweigerung als Fortsetzung seines früheren Kampfes gegen den Kapitalismus und den kapitalistischen Staat und hob den Zusammenhang zwischen Kriegsführung und Profitwirtschaft im modernen kapitalistischen Weltsystem hervor. Siehe: Aussaideo-eui mal (Worte der Außenseiter), Seoul: Aussaideo, 2004.
- 26Anfangs fand sich im Parteiprogramm noch nicht einmal das Wort »Nation« (minjok). Linke Nationalisten gingen 2002-2003 in Massen in die KDLP und es gelang ihnen, einige führende Positionen bei den Wahlen in der Partei im Juni 2004 zu übernehmen.
- 27Im Hyeon-jin, »Han’guk- eui sahoe undong-gwa chinbo jeongdang keon- sul- e gwanhan yeon’gu« (Studie über soziale Bewegungen und fortschrittliche Parteien
in Korea), – Hanguk sahoe gwahak, Vol. 23, No. 1, 2001, S. 1-49. - 28
- 2944% der vermuteten Opfer sind einfache Soldaten und Gefreite. Sie stehen am Ende der Hierarchie. Siehe: Um Kiyong, »Geon euimunsa jinjong 600 geon neomo« (Die Zahl der Petitionen wegen verdächtiger Todesfälle in der Armee steigt auf über 600 an), Tageszei- tung Gungmin Ilbo, 4. Januar 2007.
- 30Die Zahlen sind der offiziellen Einführungsbroschüre des Untersuchungsausschusses zu verdächtigen Todesfällen in der Armee entnommen.
- 31
In einer im November 2005 durch das Nationale Menschenrechtskomitee (Kukka in’gwon Wiweonhoe ) durchgeführten Umfrage gaben 41,1% der befragten, bei der Polizei dienen- den Wehrpflichtigen an, dass sie auf verschiedene Art und Weise misshandelt wurden: Etwa 10% nannten sexuellen Missbrauch und 12,4% Schläge. Sehr schockierend ist, dass 21,9% der von ihren Vorgesetzten Geschlagenen angaben, dass sie täglich Schläge erhielten. Siehe: Im Myeongseop, »Chun, euigyeong 41% gahok haengwi gyeongheom, irolsu ga« (41% der Wehrpflichtigen in der militarisierten Polizei und in mit Wehrpflichtigen bestückten Polizeieinheiten erleben brutale Behandlung – ist das möglich?), Beureikeu nyuseu, 14. November 2005.
- 32»Tragedy and reform in the military«, – Korea Herald, 29. Dezember 2005.
- 33Sin Chungsup, »Chujeok gaenyeom, byeon’gyeonghaeya hana?« (Müssen wir das Konzept des »Hauptfeindes« ändern?), – Munhwa Ilbo, 23. November 2004.
- 34Es gibt Hinweise, dass das mechanische Auswendiglernen, mit dessen Hilfe den wehrpflichtigen »Schülern« die Sichtweise ihrer Vorgesetzten eingeimpft wird, noch immer die vorherrschende Lernform ist. Siehe: Pyo Myongnyol, »Nuga gamhi? Neohwi-ga sagwan hakkyo-reul ara?« (Wer wagt es? Kennen Sie die Militärakademie?), www.ohmynews.com, 14. Februar 2007.
- 35»Assembly panel OKs Lebanon troop dispatch«, – Korea Herald, 16. Dezember 2006.
- 36Das war das erste Mal seit dem Massaker von Gwangju 1980, dass die Armee gegen unbewaffnete Zivilisten eingesetzt wurde. Die Aktion war unbestreitbar weniger gewalttätig– »nur« 200 Menschen wurden verletzt und etwa 500 verhaftet. Siehe: Natasha Persaud, »U.S. base expansion in Korea sparks protests.«
- 37Cheong Inmi, »Zaitun budae pabyeong yeonjang dong-eui-an gukbangwi tonggwa« (Der Antrag zur Verlängerung des Einsatzes der Zaitun Einheit [im Irak] wurde vom Verteidigungskomitee (des Parlamentes) angenommen), – Minjung-eui sori, 12. Dezember 2006.
- 38Er unterstützte ehrenamtlich ältere Menschen, die keine Unterstützung durch eine Familie hatten (mu woetak noin), und unterrichtete auch »problematische« Kinder aus armen Familien an einer von einer nichtstaatlichen Organisation betriebenen Abendschule, statt der »normalen« Karriere als Lehrer zu folgen. Siehe: »Kukka bodan gaein-eui in’gwon-i deo sojung« (Individuelle Menschenrechte sind wichtiger als der Staat), – Daily Hankyoreh, 28. Juni 2002.
- 39O Taeyang’s http:// www.haeinsa.or.kr/ maroo/board/? hlq=vie w_o&num=95&pg=2& tbid=newsbud
- 40Sin-Yuk Dong-uk, »Hanguk katollik choecho-eui byeongyeok geobu!« (Der erste Kriegsdienstverweigerer der koreanischen Katholiken!), – Weekly Hankyoreh 21, Issue 583, 1. November 2005.
- 41Bezeichnenderweise erklärte der Vertreter des Komitees für Gerechtigkeit und Frieden (Jong-eui Pyeonghwa Wiweon- hoe) des Koreanischen Katholischen Bischofsrates (Hanguk Cheonjugyo jugyo hoe-eui) im Dezember 2005, dass »es unter den Bedingungen der Nord-Süd Konfrontation zu früh scheint, einen alternativen Dienst einzuführen«. Er fügte jedoch gleich hinzu, dass »der alternative Dienst auf lange Sicht eingeführt werden sollte.« Yi Pongseok, »Jonggyo-gye yangsimjeok byeongyeok geobu’ eotteoke bona.«
- 42Yi Pongseok, »Yi Pongseok, »Jonggyo-gye yangsimjeok byeongyeok geobu eotteoke bona«
- 43Cho (auch bekannt als Dopehead-Cho), ein berühmter Sänger und Liedermacher und aktiv in einer feministischen, nichtstaatlichen Organisation, unterstützte die Kriegsdienstverweigerungsbewegung von Anfang an aktiv und baute verschiedene antimilitaristische Webseiten auf. Er erklärte, die Tolerierung der »totalen Uniformität« des militärischen Lebens käme einer Zusammenarbeit mit dem Militarismus gleich, der mit seinen Techniken zur Disziplinierung die Basis des gesamten koreanischen Staatssystems sei. Siehe: »Modeun pongnyeok-gwa moryeok-e bandaehanda!« (Ich bin gegen Gewalt und militärischen Zwang in all ihren Formen!), – Weekly Hankyoreh 21, Issue 352, 27. März 2001.
- 44http://www.without- war.org/intro1.htm
- 45
- 46Yu Sinmo, »Yu-en in’gwon-wi yangsim- jeok byeongyeok geobu sugamja-eui bosang« (UN-Menschenrechtskommission verlangt Entschädigung für inhaftierte Kriegsdienstverweigerer), – Daily Kyunghyang Sinmun, 8. Dezember 2006.
- 47Zum Beispiel die wegweisende Arbeit von Prof. Kim Dusik (Jura) zur Weltgeschichte der Kriegsdienstverweigerung, Schwerter zu Pflugscharen (Kar- eul chyoso boseup-eul, Seoul: Nyuso aen choi, 2002), der Beitrag von Yi Namseok (Politologie) zu den Prinzipien der Kriegsdienstverweigerung und den immanenten Trugschlüssen der Theorie des »gerechten Krieges«, Kriegsdienstverweigerung und Ziviler Ungehorsam (Yangsim e ttareun byeongyeok geobu-wa simin bulbokjong, Seoul: Korinbi, 2004), oder Prof. Kwon Insuks (Geschlechterforschung) allgemeinverständliche Analyse der ideologischen Strukturen des koreanischen Militarismus, Die Republik Korea ist eine Armee (Daehan Min’guk-eun gundae da, Seoul: Cheongnyeonsa, 2005).
- 48»Sasol: Jajungjiran in’gweon-wi, isseoya hana« (Editorial: Intern zerstrittenes Menschenrechtskomitee – darf es existieren?), – Daily Heraldeo« Kyeong je, 27. September 2006.
- 49Zum Beispiel zeichnete der wichtigste öffentliche Fernsehsender, KBS (Han’guk bangsong gongsa), in einem Kommentar zur Empfehlung des nationalen Menschenrechtskomitees, das Recht auf Kriegsdienstverweigerung anzuerkennen, das erschreckende Bild einer Situation, in der »alle zu dieser Religionsgemeinschaft konvertieren, die ihre Anhänger dazu verpflichtet, den Dienst zu verweigern (die Zeugen Jehovas, W.T.)«. Er spielte auf die weit verbreitete Unzufriedenheit über die De-facto-Wehrpflicht für Arme« in Korea an und äußerte die Befürchtung, der alternative Dienst könne »zu einem neuen Privileg werden«. Siehe: Im Changgeon, »Nyuseu haesol: »yangsimjeok byeongyeok geobu wa anbo eui jeopjeom« (Kommentar: Wo »Kriegsdienstverweigerung« und »nationale Verteidigung« zusammentreffen) , – KBS, 29. Dezember 2005.
- 50Zum Beispiel wurde im August 2006 Yi Yeongseok, Lehrer und Gewerkschaftsangehöriger, der an einer Schule in Puchun in der Nähe von Seoul unterrichtete, für drei Monate vom Dienst suspendiert, weil er »seinen Schülern ein Wertesystem vermittelte, das die Grenzen des gemeinsamen Verständnisses unserer Gesellschaft überschritt«, indem er lehrte, dass die Pflicht zum Gruß der Nationalflagge als ein totalitäres Ritual angesehen werden könne und man als Rekrut die Logik staatlich sanktionierter Gewalt nicht leichtfertig verinnerlichen sollte, da die Armee die Institution sei, die alleine die Gewalt in Händen halte. Siehe: »Haksaeng gwa hakbumo bohoharyeo haetta« (Wir sind da, um Schüler und ihre Eltern zu schützen), – Weekly Hankyoreh21, 17. August 2006.
- 51Na Kichon, »Gungmin 72% Daeche bongmu andoenda, kundae gaya«, – Daily Segye Ilbo, 29. Oktober 2005.
