Gangnam Style und die Gesellschaft des verborgenen Misstrauens

Stand 2014: Hwang Sok-yong wurde 1943 in der Mandschurei geboren und studierte Philosophie an der Dongguk University, Südkorea. Er gehört heute zu den bekanntesten Autoren Koreas, seine Biografie ist geprägt von politisch bedingten Lebensumständen: Haft und Exil. In seinen Romanen schildert Hwang Sok-Yong das Leben »einfacher Menschen«, die mit Parteidoktrinen in Konflikt kommen und politisch verfolgt werden. Ins Deutsche übersetzte Werke (in Reihenfolge des Erscheinungsjahres): Der Ferne Garten (2005); Die Geschichte des Herrn Han (2005); Der Gast (2007).
Dieser Artikel ist erstmals 2014 in der Printausgabe vom Koreaforum 23 erschienen.

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Abgrund der Modernisierung

Am 29. Juni 1995 um 17.57 Uhr stürzt auf einmal im Zentrum des Stadtviertels Gangnam in Seoul, das aus Hochhäuser-Komplexen besteht, in dem die neu entstandene Mittelschicht Koreas wohnt, das Kaufhaus Sam-Pung ein: 502 Tote, 937 Verletzte, die meisten haben Arme oder Beine verloren, und 6 Vermisste. 

Dieser Einsturz des Kaufhauses veranschaulicht das äußerst illegale und regelwidrige Vorgehen des Geschäftsinhabers und der zuständigen Behörde. So wurde der Grundriss, der ursprünglich für einen großflächigen Ladenkomplex entworfen worden war, ohne eine sorgfältige Überprüfung der Konstruktion in den für ein Kaufhaus umgeändert. Als alle Hochhäuser fertiggebaut waren, hatte die Baufirma Sam-Pung mit den Bauarbeiten im endlos weiten Brachland mitten in Seoul angefangen, um dort Gebäude für Läden oder ähnliches zu bauen. Diese Bauarbeiten wurden zunächst wegen einer fehlenden Baugenehmigung eingestellt. Denn bei diesem Grundstück gab es ohnehin nur eine bauliche Nutzungsgenehmigung für Wohnflächen, und deshalb durfte dort kein gewerbliches Gebäude oder Kaufhaus gebaut werden. Das bedeutet, dass Sam-Pung Beamte mit Schmiergeldern bestochen hat und illegal eine Nutzungsänderung des Grundstücks vollzogen wurde. Das Kaufhaus Sam-Pung ignorierte die Bauabnahmevorschrift, wurde im Jahr 1989 nur mit einer Genehmigung für eine zeitlich beschränkte Nutzung eröffnet, und erst neun Monate später wurde die Schlussabnahme gemacht. Jedoch wurden auch danach noch übermäßige Erweiterungsbauarbeiten durchgeführt und das rechtswidrige Handeln des Firmenbesitzers und der zuständigen Behörde fortgesetzt. Um mehr Ladenfläche zu gewinnen, wurden die Wände eingerissen und auch die Zahl der Stützsäulen und die Stahlmenge, die das Gewicht des Gebäudes tragen sollten, reduziert. Der Entwurf war für ein vierstöckiges Gebäude ausgelegt, gebaut wurde jedoch ein fünfstöckiges Haus. Für das oberste Stockwerk wurde die Nutzungsgenehmigung in die für gastronomische Einrichtungen geändert, und in den Boden dieses Stockwerkes wurden Abflussrohre verlegt und zusätzlicher Beton verbaut. Der Kühlturm für die Klimaanlage wurde nicht im Untergeschoss, wie es eigentlich sein sollte, sondern auf dem Dach eingerichtet, weil der Firmenbesitzer das Untergeschoss für Ladenflächen und ein Parkhaus nutzen wollte; dadurch kamen noch zusätzlich etwa 100 Tonnen an Last hinzu. Der Kühlturm musste dann auch noch versetzt werden, weil die Bewohner aus den umliegenden Hochhäusern Beschwerdebriefe über den Lärm des Kühlturmes einreichten; bei dieser Arbeit wurde der Kühlturm gezogen, anstatt ihn mit einem Kran zu transportieren, dadurch wurde der Boden des Daches beschädigt und im gesamten Gebäude entstanden Risse. 

Bereits zu diesem Zeitpunkt gab es erste Anzeichen für einen drohenden Einsturz, aber die Kaufhausleitung reagierte jedes Mal mit Notlösungen. In diesem Gebäude, das aus fünf Stockwerken über der Erde, einem vierstöckigen Untergeschoss und noch weiteren Nebeneinrichtungen auf dem Dach bestand, konnte man bereits mehrere Monate vor dem Einsturz Risse an den Wänden sehen, Putz rieselte herunter und das Dach sank langsam ab. Am Tag des Einsturzes entstanden an der Säule, die das oberste Geschoss mit den Restaurants stützte, Risse, und Wasser floss aus der Decke. Alles sprach für einen Einsturz, dennoch entschloss sich der Führungsstab, Reparaturarbeiten durchzuführen und dabei die Geschäfte weiterlaufen zu lassen. Der Führungsstab war der Meinung, dass es eine dumme Maßnahme sei, wenn man die Geschäfte schließen und die Kunden, die am Wochenende angestürmt gekommen waren, heimschicken würde. Die Reparaturarbeiten liefen und 17 Minuten vor der Katastrophe wurden die Verantwortlichen über die ernsthafte Lage, dass der Einsturz kurz bevorstand, informiert und retteten sich, indem sie das Kaufhaus verließen, ohne Evakuierungsmaßnahmen für die Kunden und Mitarbeiter im Gebäude zu ergreifen. Zu diesem Zeitpunkt befanden sich mehr als 1000 Kunden und Mitarbeiter im Gebäude. Kurz vor 18 Uhr begann das oberste Stockwerk einzustürzen und innerhalb von etwa 20 Sekunden fiel das Gebäude in einer riesigen Staubwolke in sich zusammen. 

Nach diesem Vorfall breitete sich Angst aus, und skeptische Blicke richteten sich auf die Gebäude, die in der Zeit der Modernisierung gebaut worden waren. Die damalige Regierung führte landesweit bei allen Gebäuden einen Sicherheitstest durch. Der Test ergab, dass sich 14,3 Prozent aller Hochhäuser in einem Zustand befanden, der einen Umbau nötig machte, bei 80 Prozent große Nachbesserungen notwendig waren und sich lediglich 2 Prozent in einem sicheren Zustand befanden. 

Berichte über Tote, Überlebende und Personen, die unter dem eingestürzten Betonklotz durchgehalten hatten und gerettet wurden, füllten länger als eine Woche lang die Zeitungen. Die öffentliche Meinung kritisierte den Konzerninhaber, der die illegalen Bauänderungen vorgenommen hatte, das Sicherheitsrisiko eingegangen war und die Geschäfte weitergeführt hatte, bis das Gebäude eingestürzt war, ohne die Kunden evakuiert zu haben. Dabei kamen alle möglichen alten Geschichten über den Konzerninhaber ans Licht. Er war während der japanischen Okkupationszeit ein Spitzel Japans gewesen. Was er konkret getan hatte, war nicht bekannt, aber er war später als Aushilfsangestellter im japanischen Konsulat in der Mandschurei tätig. Nach der Landesbefreiung kehrte er nach Korea zurück, arbeitete beim Spionageabwehrdienst der amerikanischen Militärverwaltung und war während des Koreakrieges den amerikanischen Truppen zugeteilt. Das half ihm in der Gesellschaft Südkoreas, sich als fähiger Mann zu behaupten. Er beteiligte sich an der Gründung des Nationalen Geheimdienstes Koreas, war als amtlicher Verbindungsoffizier tätig und kaufte das beste Grundstück im Stadtviertel Gangnam, das damals ein amerikanisches Depot war. Und dann wurde er Immobilienmillionär, baute Hochhäuser und ein Kaufhaus. All das berichteten die Zeitungen sehr detailliert. In Südkorea gingen die Entwicklungsdiktatur und das Modernisierungszeitalter zu Ende und in Nordkorea fingen zu dieser Zeit großflächige Hungersnöte und Fluchtwellen in den Süden an. So begann das letzte Kapitel des Zeitalters der Landesteilung. 

Die Gewalt der Geschwindigkeit

Unter den Ländern, die mit dem Ende des Zweiten Weltkrieges von der Kolonialherrschaft befreit wurden, gab es wohl kein anderes Land, das wie Korea die Industrialisierung und Demokratisierung gleichzeitig geschafft hat. Diese Doppel-Revolution in der Gesellschaft des Postkolonialismus stellt die große Ernte der koreanischen Geschichte dar, die zahlreiche Leiden und Opfer gefordert hat. In den fünfziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts, als der Koreakrieg in einen Waffenstillstand überging und der Wiederaufbau durch amerikanische Hilfe vorangetrieben wurde, war Korea das drittärmste Land der Welt. Die Militärregierung von Park Chung-Hee, der die studentische Revolution 1960 ausnutzte und durch einen Militärputsch an die Macht kam, führte mit amerikanischer Unterstützung die Modernisierung durch. Von den sechziger bis in die achtziger Jahre regierte Park Chung-Hee und im Anschluss daran die Neue Militärregierung, die aus Parks Sicherheitsoffizieren bestand. Diesen Zeitraum von 30 Jahren nennt man die Zeit der »Entwicklungsdiktatur«, denn sie basierte vornehmlich auf Unterdrückung und Gewalt. Gewalt und Irrationalität in seinen verschiedensten Formen waren zwar auch im Westen offensichtliche Begleiter auf dem Weg zum modernen Staat, jedoch konnten Ausbeutung und Unterdrückung im eigenen Land dadurch gemäßigt werden, dass man die inneren Widersprüche durch den Imperialismus nach außen, also in die Kolonien, trug. Für den Prozess der Modernisierung Koreas, der unter Einschränkung der Landesteilung stattfand, musste die Landwirtschaft als innere Kolonie fungieren. Die Regierung trieb auf Basis der Opfer von Arbeitern und Bauern die Formierung der »Jaebeol«, der reichen Familienunternehmen, voran und ließ die Produktionskraft und den monopolisierten Reichtum die Rolle des Motors der Modernisierung spielen. 

Korea ist aus der Sicht der Weltsystem-Theorie nach wie vor ein geteiltes Land, hat eine abhängige Position im Vergleich zu Zentren der internationalen Weltgemeinschaft und ist anfällig gegenüber äußeren Veränderungen, die von diesen Zentren herbeigeführt werden. Weil sich Korea unter einer Diktatur modernisiert hat, ist es unerfahren, wenn es darum geht, verschiedene Meinungen zu regulieren und sich um die Minderheiten zu kümmern, und diese Unerfahrenheit an sich ist ein großer Risikofaktor Koreas geworden. 

In Korea ist das soziale Sicherheitsnetz, auf das sich das Regulierungssystem der Industriegesellschaft stützt, sehr mangelhaft. Im Anschluss an die koloniale Modernisierung durch den japanischen Imperialismus wurde die klassische Modernisierung durch die repressive Modernisierung Park Chung-Hees ersetzt. Dadurch hat sich die Modernisierung in Korea in Form einer verstärkten Abhängigkeit und Unterdrückung entwickelt, die zu umso größeren, schnelleren und unterschiedlicheren Risikofaktoren führt, je weiter sie voranschreitet. 

Die politische Situation in der Zeit der Entwicklungsdiktatur unterdrückte sowohl die Rede- als auch die Versammlungs- und Bündnisfreiheit. Die Universitäten konnten sich kaum der Wissenschaft widmen. Zahlreiche Studenten und Professoren wurden entlassen, gefoltert und ins Gefängnis gesteckt. Menschen in der Medienbranche verloren durch Zensur und Einschränkungen ihrer Berichte ihren Beruf oder wurden ebenfalls verhaftet. Schriftsteller und Künstler wurden ihrer Freiheit auf Meinungsäußerung beraubt. Wenn die Zensurbehörde fündig wurde, wurden ihre Bücher und Werke unverzüglich beschlagnahmt und vernichtet. Sie selbst wurden festgenommen und inhaftiert. Die Arbeiter, denen das Entscheidungsrecht der Arbeitergewerkschaft genommen wurde, mussten niedrigere Löhne und verlängerte Arbeitszeiten hinnehmen. Die Unterdrückung und die Überlebensbedingungen der Arbeiter und Bauern waren im Vergleich zur Lage der Intellektuellen wesentlich schlimmer. Seit der Modernisierung stellt die Kluft zwischen den Armen und Reichen bis heute eine festsitzende Krankheit in der koreanischen Gesellschaft dar, weil die Expansion von Gewinnen, die nicht auf eigenhändiger Arbeit beruhen, ein zu großes Gewicht in der ungleichen Verteilung von Gütern innerhalb der Gesellschaft einnimmt. Die Grundstückspreise zum Beispiel sind seit Anfang der sechziger bis zum Ende der siebziger Jahre um das 180-fache gestiegen. Außer Grundstücken gab es kein Vermögen, dessen Wert in dieser Zeit in solchem Maße gestiegen ist. Menschen, die Geld besitzen, vermehren, ohne einen einzigen Finger krumm gemacht zu haben, in unvorstellbarem Maße ihr Vermögen und machen Gewinn, ohne eigenhändig zu arbeiten. Das ist problematisch, weil 65 Prozent der privaten Grundstücke Koreas 5 Prozent der Haushalte gehören, die in Korea ein Stück Erde besitzen. Diese Quote gilt für diejenigen, die Grundstücke besitzen, und wenn man hier auch das Volk, das kein Grundstück besitzt, aufnimmt, sieht die Lage der einseitig verteilten Grundstücke noch viel schlimmer aus. Damit steht der Grundstücksbesitz exemplarisch für die fest verankerte ungerechte Struktur der koreanischen Gesellschaft. 

Ich bin hier, holt mich hier raus!

Die globale Bankenkrise, die 2007 in Amerika ihren Anfang nahm, erreichte 2010 in Korea ihren Höhepunkt. Zu dieser Zeit begannen sich Begriffe wie Deregulierung, Privatisierung, Flexibilisierung des Arbeitsverhältnisses usw. zu verbreiten. Überdies ließen sich Phänomene wie die Polarisierung sozialer Schichten, Etatkürzungen bei der Sozialhilfe, Abschaffung der Reichensteuer, unternehmerfreundliche Politik etc. beobachten. Obwohl Korea nach außen hin zu den zehn größten Industrieländern der Welt gehört, nimmt es eine der höchsten Positionen unter den OECD-Staaten ein, wenn es beispielsweise um die Arbeitszeit, die Industrieunfall-, die Selbstmord- und die Zeitarbeiterquote geht. Aber beim Zufriedenheitsindex des Individuums, beim Wohlstandsindex und der Geburtenquote nimmt Korea eine der niedrigsten Positionen ein. Die junge Generation nennt sich »die Generation, die die drei Dinge aufgibt«, weil sie eine hoffnungslose Generation ist, die auf Haus, Heirat und Kinder verzichtet. Die Illusion von Moderne und Industrialisierung weicht der Verzweiflung, die mit dem Modernisierungsprozess des Landes einhergeht. Darüber habe ich 2009 den Roman ›Der Traum von Gangnam‹ geschrieben. 

Der Fall des Einsturzes des Sam-Pung-Kaufhauses im Juni 1995 ist der Beginn des Romans. Meiner Meinung nach stellt die Zeit um 1995, in der sowohl die Sung-Su-Brücke als auch das Sam-Pung-Kaufhaus einstürzte, folgendes dar: Politisch war diese Zeit der Beginn einer formellen Demokratie. Wirtschaftlich verabschiedete sich die Entwicklungsdiktatur und zugleich gliederte sich der Kapitalismus Koreas geradewegs in den Weltmarkt ein. Kulturell vermischte sich das Minjung, das als Leidenschaft für gesellschaftliche Änderungen nur im Kopf der Intellektuellen existiert hatte, mit der offensichtlichen Masse der unhaltbaren Konsumgesellschaft. Das sind die Gründe, warum ich meinen Roman ›Der Traum von Gangnam‹ mit dem Einsturz des Sam-Pung-Kaufhauses im Juni 1995 beginnen lasse. Der Roman blickt in die Zeit des Lebens der Protagonisten von 1970 bis heute zurück. Er beginnt mit dem Unglück einer Frau im mittleren Alter, die beim Einsturz des Kaufhauses unter Betongeröll festsitzt und endet mit der Szene, in der eine junge Mitarbeiterin des Kaufhauses, die mehrere Tage im Geröll überstanden hatte, gerettet wird: »Plötzlich hörte Jung-Ah, dass jemand mit einem Hammer gegen die Wand aus Beton schlug. Die linke Wand fiel und da strahlte ein helles Licht herein. Es blendete Jung-Ah und sie konnte die Augen nicht richtig öffnen. Sie schrie mit heiserer Stimme, aber aus vollem Hals. – »Ich bin hier, holt mich hier raus!« 

Eben genau dieser Schrei »Ich bin hier, holt mich hier raus!« ist der Schrei, mit dem ich ausdrücken möchte, dass ich unter dem jetzigen System nicht leben kann. Ein alles durchdringender Schrei, der sagt, dass wir ein System herstellen müssen, unter dem wir leben können. Die Militärdiktatur in den siebziger und achtziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts geht mit dem Gwangju-Aufstand 1980 und dessen Höhepunkt, dem Juni-Aufstand 1987, zu Ende. Die formale Demokratie, die innerhalb des gesamten Zeitraums vom Ende der Militärdiktatur bis heute eingeführt wurde, nennt man das »System 87«. Dass das System 87 aus Kompromissen zwischen dem Juni- Aufstand von unten und dem 29. Juni-Manifest von oben entstand, stellt eine genuine Grenze dar und erklärt, warum das System 87 ein mangelhaftes ist. Es ist mangelhaft, weil es das politisch-kulturelle Erbe des Autoritarismus nicht restlos ablegen konnte. Dieser Mangel wurde schließlich zum Treibhaus eines schlechten Faschismus. Das System 87 hat das Recht der Anhänger des alten Systems anerkannt und somit begünstigt, dass fast alle nationalen Angelegenheiten von dem schwarzen Loch, das sich Wahlen nennt, absorbiert wurden. Das ist das äußere Bild des Systems 87. Unter der Ausbreitung des Faschismus wurde die Abscheu über die Politik als Ganzes heraufbeschworen und die mit der Wahl einhergehende Verantwortung und Last den Wahlberechtigten überlassen. Letzten Endes hat der sich ausbreitende Faschismus den Verlust einer verantwortungsbewussten Politik herbeigeführt. Im Endeffekt haben sich Amalgamierung und Entflechtung unter dem Wirbel der Interessen der Parteien wiederholt, ohne eine soziale Kraft versammelt zu haben, die sich gegen das Weltsystem des Neoliberalismus behaupten kann. 

Die Regierung von Kim Dae-Jung, die sich selbst progressiv nannte, war wegen der Asienkrise, die im Dezember 1997 ausbrach, der Umstrukturierung durch internationales Kapital vollkommen ausgeliefert. Die nachfolgende Regierung von Roh Moo-Hyun folgte weiter dem Weg ihres Vorgängers, nahm an dem Irakkrieg Amerikas teil, ertrug die Atomkrise Nordkoreas, neigte immer mehr zum Neoliberalismus und zeigte leichte Anzeichen von Revisionismus. Aber von der anschließend an die Macht gekommenen konservativen Regierung Lee Myung-Baks wurde zum einen die gesamte politische Linie ausgebaut und zum anderen wurde von dieser abgerückt. Das Wort »Re-Ab-St« war charakteristisch für die Zeit von Lee Myung-Bak und beschreibt die unternehmerfreundliche Politik, die Steuerabgaben für Unternehmen reduzierte und Regulierungen abschaffte. Nach Lee Myung-Bak ist Park Geun-Hye, die Tochter von Park Chung-Hee, dem Gründungsvater der Modernisierung Südkoreas, Präsidentin geworden und ihre Regierung will ebenso wie die ihres Vorgängers eine konservative sein. Wenn man so will, kann man diese Realität tatsächlich als Karma bezeichnen. Noch einmal: Das Volk wählt den ehemaligen Geschäftsführer eines Jaebeols, Lee Myung-Bak, oder die Tochter von Park Chung-Hee, der der Verantwortliche für die Modernisierung Koreas war, zum Präsidenten. Diese Tatsache geht wohl mit dem Wunsch nach »Werde reich« und »Lass es uns gut gehen« einher – symbolische Slogans unserer heutigen Zeit. 

Soll das ein Staat sein?

Am 16. April 2014 kenterte auf See 1,4 Meilen nördlich der Insel Byungpung in Jindo die RoPax-Fähre Sewol. Diese Fähre gehört der Firma Chonghaejin Marine Company und war auf ihrem Weg von Incheon zur Insel Jeju. Von den 476 Menschen an Bord, zu denen Schüler der Ansan Danwon Oberschule gehörten, die einen Schulausflug machten, wurden 172 Personen gerettet, 292 Menschen starben und 12 sind noch vermisst. So der Stand der Dinge am 8. Juni 2014. 

Die Chonghaeji Marine Company, der das Sewol Fährschiff gehörte, hatte ein altes japanisches Schiff, das seit 20 Jahren in Betrieb war und kurz vor der Ausmusterung stand, erworben. Dieses wurde dann umgestaltet, so dass mehr Passagiere und Ladung aufgenommen werden konnten, wodurch das Gleichgewicht und die Stabilität des Schiffes nicht mehr gewährleistet waren. Um Kosten zu sparen, wurden allerlei rechtswidrige Methoden angewendet, zum Beispiel wurden Personen, die nicht geeignet für diese Arbeit waren, oder denen es an Erfahrung mangelte, als Zeitarbeiter oder Aushilfen eingestellt. Für das routinemäßige Überladen durch Fracht, das mehr Gewinn als der Transport von Passagieren bringt, wurde das Schiff in vielerlei Hinsicht umgebaut. Alle möglichen Überprüfungen und Sicherheitswarnungen wurden nur pro forma durchgeführt. Die Ladung wurde nicht vertäut, damit sie fest an ihrem Platz bleibt. Zudem wurde die Fähre um mehr als das Doppelte des Vorgeschriebenen beladen. Das Koreanische Schiffsregister, das stellvertretend für die Regierung für die Wartung und Schiffssicherheit zuständig ist, erlaubte trotz des unvernünftigen Erweiterungsumbaus den weiteren geschäftlichen Einsatz des Schiffes. Auch keine der weiteren Institutionen, wie die Koreanische Schifffahrtsgesellschaft, die Küstenwache und das Ministerium für Seefahrt und Fischerei, die zusammen mit dem Koreanischen Schiffsregister zum Schutz des Lebens und Vermögens der Küstenbewohner verpflichtet sind, haben eine Warnung oder eine Sanktion bezüglich der rechtswidrigen Führung der Sewol ausgesprochen. Es kam auch ans Licht, dass die Chonghaejin Marine Company einem reichen Unternehmer gehört, der durch enge Zusammenarbeit mit der Neuen Militärregierung von Chun Doo-Hwan in den achtziger Jahren erfolgreich Geschäfte gemacht hatte. Gleichzeitig wuchs der Verdacht, dass diese Geschäfte im wahrsten Sinne des Wortes die Strukturen eines organisierten Verbrechens besaßen, indem die Regierung und private Unternehmer bei den Geschäften der Beförderung von Passagieren an der Küste Hand in Hand zusammenarbeiteten. Somit führt uns der Untergang der Sewol einmal mehr vor Augen, dass es sich hier um eine typisch koreanische Katastrophe handelt, die aus der Zusammenarbeit von Gier und Korruption erwachsen ist. Dass das Sinken der Sewol ein Schock für die koreanische Bevölkerung ist, liegt nicht allein an der unverschämten Vernachlässigung der Pflichten der Seeleute, sondern folgt einer ganzen Kette von unmoralischen und regelwidrigen Umständen, angefangen mit dem Kapitän und dem Streben nach Gewinn der Chonghaejin Marine Company, über die illegalen Geschäfte der zuständigen Institutionen, an deren erster Stelle das Ministerium für Seefahrt und Fischerei steht. Die unverständlichen Handlungen der Beamten bei den zuständigen Regierungsorganen gleich nach dem Unglück, die verantwortlich für die Rettung der Personen waren, sollten die Koreaner ebenfalls noch in einen entsetzlichen Schock versetzen. Das hinausgeschriene »Soll das ein Staat sein?«, das nach dem schrecklichen Sewol-Unglücksfall die gesamte koreanische Bevölkerung mit einer gewissen Selbstver- achtung ausstieß, war damit eine nur allzu verständliche Reaktion. 

Es fanden massenweise Trauerfeiern für die Toten des gesunkenen Schiffes statt und Forderungen nach einer exakten Offenlegung des gesamten Unglücksverlaufs und der wahren Sachverhalte wurden laut. Die gemeinsame Untersuchungskommission der Polizei und Staatsanwaltschaft will die Reederei Chonghaejin untersuchen, um dann die Verantwortlichen einschließlich der Mitarbeiter an Bord anzuklagen. Das ist das geplante Untersuchungsvorgehen, um die Rechtswidrigkeit der Taten der Reederei zu beweisen. Es ist eine klare Sache, dass sowohl die Mitarbeiter, die an der Steuerung des Schiffes beteiligt waren, als auch der Schiffsinhaber zur Verantwortung für das Schiffsunglück gezogen werden müssen. Eine Binsenweisheit ist es aber auch, dass die Reederei alleine verantwortlich für die Katastrophe ist. Die Korruption und die Gewissenlosigkeit des Unternehmens sind nichts weiter als ein Ausdruck der materiellen Gier, die überall in der koreanischen Gesellschaft vorhanden ist. Der Ursprung dieser moralisch verdorbenen Atmosphäre liegt in dem Staat, der sich Republik Korea nennt. Seit Park Chung-Hee hat die koreanische Regierung hartnäckig an dem Paradigma des wirtschaftlichen Wachstums, also dem Bruttosozialprodukt, festgehalten, hat Unternehmern, die wie verrückt auf ihren Vorteil bedacht sind, enorme Privilegien gewährt, und nicht gezögert, diese Unternehmer zu Helden der Nation zu erklären. Überdies hat die koreanische Regierung Druck ausgeübt, damit ganze Bereiche des Konsums und der Produktion ein Marktsystem für die Renditen der Unternehmen bilden, hat allen gesellschaftlichen Institutionen die Autonomie geraubt und sie unter das Führungsprinzip der Unternehmen genötigt. Vor allem hält die koreanische Regierung weiter an der Strategie fest, die wirtschaftliche Entwicklung zu steuern. Damit werden Gruppen von Politikern, Beamten und Geschäftsleuten ausnahmslos dazu ermutigt, mit Hilfe des Staates eine Praxis der Intrigen und Preisabsprachen, die ausschließlich der Stärkung eigener Privilegien und Mehrung eigener Vorteile dient, auszuüben. Schließlich hat die koreanische Regierung einen entscheidenden Beitrag dazu geleistet, dass der Staat ein Treibhaus der Korruption ist. Die koreanische Regierung hat die Struktur des korrupten Bündnisses zwischen Politik und Wirtschaft aufrecht erhalten, und die Sewol-Schiffskatastrophe hat geradezu das Signal dazu gegeben, dass diese Struktur endgültig die Phase erreicht hat, in der sie sich fest verankert hat und immer bösartiger wird. 

Es gab Stimmen, die forderten, dass Präsidentin Park Geun-Hye zur Rechenschaft gezogen werden müsse und zurücktreten solle. Allerdings glaubt heute niemand mehr daran, dass eine Katastrophe wie das Sewol-Schiffsunglück nicht wieder passieren würde, wenn nur das Regierungsoberhaupt ausgewechselt wird. Es reicht nicht aus, wenn wir an der Legitimität einer bestimmten Regierung zweifeln, wir müssen an der Legitimität der Herrschaftsform des Staats an sich zweifeln. Wir müssen fragen, ob der Staat wirklich die geeignete Form ist, die unser Verlangen nach Demokratie stillt. Weil die koreanische Gesellschaft lange Zeit in einem Zustand verweilt hat, in dem die meisten materiellen Ressourcen vom Staat kontrolliert wurden, sind System und Praxis auf eine Art und Weise geformt worden, die sich der Autorität des Staates widerstandslos anpassen. Überdies haben die Koreaner die Angewohnheit, soziale Wünsche und Ideale abhängig von staatsideologischen Überlegungen zu definieren. Aber es hat sich gezeigt, dass die Erwartung, dass die Ideale der Menschen, die auf gegenseitiger Abhängigkeit, Gunst und dem Aufbau eines dafür geeigneten Systems beruhen, durch den Staat realisiert werden würden, ein Irrtum war. Vielmehr war der Staat der Protagonist, der in allen Bereichen der koreanischen Gesellschaft das System der grenzenlosen Konkurrenz mit dem Ziel des Wachstums gefestigt hat. Die Lage des heutigen Koreas ist ein notwendiges Ergebnis des Unternehmensstaates, der nach Unternehmerfreundlichkeit geschrien und dafür das Gemeinwohl zerstört hat. 

Lasst uns bitte zusammen leben!

»Das Sewol-Schiffsunglück zeigt uns das ungeschminkte Gesicht, wie gefährlich gedankenlose Deregulierung und Privatisierung sein können, die ausschließlich auf Gewinnmaximierung der Unternehmen abzielen und dabei vom Gemeinnutz und der Sicherheit des gesamten Volkes absehen. Eine Gruppe, die unter dem Vorwand des wirtschaftlichen Gewinns und der Effektivität Menschen an sich als Mittel zum Zweck betrachtet, ist bloß ein Kartell von Unternehmen; man kann diese Gruppe auf keinen Fall als eine Regierung bezeichnen.«1 Kundgebung von Wissenschaftlern im Ausland, unterzeichnet von 1074 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern.

Seit der Asienkrise war die koreanische Gesellschaft etwa zwanzig Jahre lang der Ort von »Menschenversuchen«. In dieser Gesellschaft lässt sich überall feststellen, dass sich Unfälle ankündigen, die mit den verschlechterten Arbeitsbedingungen, der Kostenreduzierung für mehr Rendite und der Korruption, die sich nach der Deregulierung verstärkt hat, zusammenhängen. 

Die laute und erboste Frage des Volkes »Soll das ein Staat sein?« wird folglich unter der Voraussetzung gestellt, dass die Regierung für öffentliche Bereiche die Verantwortung trägt. Dass Menschen »zusammenleben«, ist erstens der Grund für die Entstehung des Konstrukts, das sich Politik nennt, und zweitens der Maßstab für die Nützlichkeit und den Wert, nach denen die Ziele der Politik bestimmt werden. Seit der griechisch-römischen Antike war das Gemeinwohl gleichzusetzen mit der Republik. In China war man der Meinung, dass ein Fürst nicht nur für sich selbst und seine eigenen Blutsverwandten, sondern auch für alle Menschen in seinem sozialen Einflussgebiet eine generelle Gemeinschaftlichkeit zu realisieren habe. Allerdings stehen das Gemeinschaftliche und das Private nicht als voneinander getrennte soziale Bereiche fest. Die wirkliche Aufgabe der Politik wäre also die Diskussion und das Finden eines Kompromisses hinsichtlich der Trennung dieser beiden Bereiche. Zu den wichtigsten Aufgaben der heutigen Politik gehören u. a. zwei Punkte. Erstens hat die Politik sich darum zu bemühen, dass der Bereich des Gemeinschaftlichen von der Tyrannei der wirtschaftlich privilegierten Schicht befreit wird. Zweitens hat die Politik dafür zu sorgen, dass die Ressourcen der Gemeinschaft vor der selbstsüchtigen Habgier der privilegierten Schicht geschützt werden. 

Der Kern der heutigen demokratischen Regierung ist, so darf man formulieren, der Prozess, das Gemeinwohl, basierend auf den Bedürfnissen und Wünschen der Allgemeinheit, zu definieren und umzusetzen. Während der Kolonial- und Militärdiktatur in Korea hat sich in der koreanischen Bevölkerung latent das Bewusstsein verankert, dass das Gemeinwohl nicht autonom gebildet wird, sondern entweder von jemandem für uns gebildet wird oder einfach von uns verlangt wird. So ist auch unter denjenigen Leuten, die ein kritisches Bewusstsein besitzen, das Denken weit verbreitet, dass das kulturelle Niveau des Volkes noch zu niedrig sei und über gemeinschaftliche Probleme erst dann diskutiert werden könne, wenn das Bildungs- und Einkommensniveau des Volkes gestiegen ist. Das Gemeinwohl ist also etwas, das nicht gebildet werden kann, indem ich selbst daran teilnehme, sondern dass jemand für mich bildet und gewährleistet. Doch was darf man diesbezüglich unter staatlichem und gesellschaftlichem Vertrauen verstehen? Das kann herausgefunden werden, wenn sich die Regierung und das Volk bei der Definition der praktischen Bedeutung des Zusammenlebens gegenseitig in die Quere kommen und eine Übereinstimmung treffen. 

An diesem Punkt kehrt die Sewol-Katastrophe als Werteproblematik der republikanischen Demokratie zurück in die Diskussion. Die Zeit der Entwicklungsdiktatur war besessen von dem Mythos einer Herrschaft, in der Wachstum mit Effektivität gleichgesetzt wird, und die heutige koreanische Regierung scheint immer noch diesem Phantom aus der Zeit der Entwicklungsdiktatur verfallen zu sein. Mehr noch, es sieht so aus, als wäre sie noch bösartiger als die Regierung in der Zeit der Entwicklungsdiktatur geworden, indem sie sich mit dem Neoliberalismus verbündet hat. Wie soll man sonst den Umstand erklären, dass die gegenwärtige Regierung bei der Sewol-Katastrophe nicht auf die Rettung der Menschen, sondern auf die Bergung der Toten fokussiert war und die Rettung als ein Problem von Zahlen und Kosten verstand. In einer Gesellschaft, deren Staat von Anfang an nicht daran denkt, die Rechte und das sichere Leben des Volkes mit aller Kraft zu gewährleisten, hat das Volk keine andere Wahl, als das Gemeinwohl selbst in die Hand zu nehmen. 

Der Kapitalismus, der die koreanische Bevölkerung erreicht hat, war die Speerspitze der freien Welt, für die während des Kalten Krieges die USA den Führungsstab innehatte; Korea als ein Ausstellungsstück im politischen Wettstreit mit dem Kommunismus. Diese Bedeutung hat sich stark geändert, aber die Rolle des Ausstellungsstücks spielt Korea nach wie vor. Korean Pop ist weltweit zum Gesprächsthema geworden, als das Musikvideo »Gangnam Style« des Sängers Psy auf Youtube hochgeladen und eine Million Mal angeklickt wurde. Mashable, eine amerikanische Webseite, berichtete, dass es zwischen Gangnam und New York Ähnlichkeiten gebe; diese Orte erwirtschaften einen Anteil von etwa sieben Prozent des Bruttoinlandsprodukt Koreas bzw. Amerikas und 41 Prozent der Studenten an der Seoul Universität stammen aus Gangnam, genauso wie die Studenten an der Harvard Universität aus Manhattan kommen. Mashable berichtete ferner, dass »Gangnam Style« eine noch tiefere Bedeutung habe, als das Phänomen des am meisten angesehenen Videos zu sein. Dieses Video enthalte nämlich eine Satire darüber, welche extreme Wirkung Seouls Gangnam auf Korea ausübe. Das Wall Street Journal wies darauf hin, dass »Gangnam Style« den Nagel des ultramaterialistischen Phänomens Koreas auf den Kopf treffe. The Atlantic schrieb, dass Psy in der Rolle eines Bewohners von Gangnam, der wie ein Parvenü aussieht, das Bild von jemandem, der dem Bewusstsein verfallen ist, er sei die wichtigste Person auf der Welt, und die Gangnam-Kultur, die stolz weltlichen Reichtum vorführe, satirisch dargestellt habe. Und »Gangnam Style« habe auch mit seiner bahnbrechenden Botschaft über die Kluft zwischen Armen und Reichen in der koreanischen Gesellschaft Sympathien gewonnen. Die Zeitschrift schrieb auch, dass »Gangnam Style« eine Satire über Gangnam selbst sei, es aber vor allem nicht versäumt habe, darauf einzugehen, wie Menschen, die nicht in Gangnam wohnen, davon träumen, Gangnamer zu werden. Natürlich enthält die Satire von Psy nicht den Schrei »Ich bin hier, holt mich hier raus!« eines der Opfer unter dem Betongeröll des eingestürzten Kaufhauses, sondern zeigt nur einen komischen Pferdetanz, der wie der Wind nach vorne reitet. Eine zu leichtsinnige Satire, um wirklich das Leiden und den Traum von jemandem aus der Unterschicht zu zeigen. Nach dem Unglück der Sewol haben die Leute hinter vorgehaltener Hand geflüstert, dass die Regierung mit der Rettung nicht so fahrlässig umgegangen wäre, wären die Schüler auf dem Schulausflug aus einer Schule in Gangnam gewesen. Knapp 300 Schüler und Lehrer, die gestorben sind, waren aus Ansan. Um die Stadt Ansan herum stehen dicht an dicht Industriekomplexe nebeneinander, und dort wohnen hauptsächlich Arbeiter, die früher am Rand von Seoul, also im ärmsten Viertel der Stadt, gewohnt haben. Als dieses Viertel modernisiert wurde, sind sie nach Ansan umgezogen. So arme Menschen, dass ein Pfarrer ohne jeglichen gesunden Menschenverstand gesagt hat: »Wenn man arm ist und kein Geld zum Fliegen hat, soll man gefälligst keinen Schulausflug machen!« 

Hwang Sok-Yongs Essay »Gangnam Style und die Gesellschaft des verborgenen Misstrauens« entstand im Rahmen des Projekts »Kulturen des Vertrauens« des 14. Internationalen Literaturfestivals Berlin. Der Text wurde neu bearbeitet und umfassend gekürzt. Das Original steht zum Download auf der Webseite des Internationalen Literaturfestival Berlins zur Verfügung: www.literaturfestival.com. Der Text wurde aus dem Koreanischen von Kim Hyuk-Sook und Manfred Selzer übersetzt.

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    Kundgebung von Wissenschaftlern im Ausland, unterzeichnet von 1074 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern.