Die Grenzen und Möglichkeiten der Wertebildung im Koreanischunterricht in Nordkorea

Eom In-Young ist Dozentin an der Ewha Womans University.
Dieser Artikel erschien erstmals 2023 im Reader "Kontinuität und Wandel der Wertebildung in Deutschland und Korea" zur Onlinekonferenz Geteilte Werte im Wandel: Schulische Wertebildung in Deutschland und Korea.

I. Einleitung  

Das Ziel dieser Studie ist, die Wertebildung in der schulischen Erziehung in Nordkorea zu analysieren und  auf dieser Grundlage die pädagogischen Grenzen und Möglichkeiten zu untersuchen. Nordkorea versucht durch die Instrumentalisierung von „Rye-Jeol“ (gute Umgangsformen und Verhaltensweisen) die nordkoreanische Familienkultur und den Kollektivismus des politischen Paternalismus durch die schulische Bildung zu verfestigen und dadurch die staatlichen Bildungsziele zu erreichen. Das führt dazu, dass die nordkoreanische Jugend soziokulturell durch „Kollektivismus, Verschlossenheit, Organisation, konformes Verhalten, Wärme, absoluten Gehorsam gegenüber Autorität und Loyalität“ geprägt ist (Han, Man-Gil, 1997). Jugendliche Geflüchtete aus Nordkorea zeigen indes kollektivistische Züge und verhalten sich äußerst „höflich“ und scheinen partiarchalische Autorität gewohnt zu sein. Gleichzeitig wird diese Art von Werteerziehung von ihnen abgelehnt, da der absolute Glaube an den Kommunismus und der absolute Gehorsam gegen über den Führern durch die Vermittlung von Werten in der nordkoreanischen Schulbildung gerade verfestigt wird.  

In Nordkorea wird der schulische Koreanischunterricht zur Indoktrination der politischen Ideen genutzt und die Schulbücher behandeln zum größten Teil Inhalte über Kim Il-Sung, Kim Jong-Il und Kim Jong-un. Es ist notwendig zu untersuchen, wie die Vermittlung von „Werten“ zur Indoktrination von politischen Ideologien in den Schulbüchern dargestellt werden und was der pädagogische Wert ist.  

Zu diesem Zweck werde ich zunächst Kim Il-sungs These über die sozialistische Erziehung, die als der ideologische Rahmen im schulischen Koreanischunterricht dient und am 5. September 1977 im Rahmen der 14. Vollversammlung des 5. Zentralkommittees der Arbeiterpartei manifestiert wurde, untersuchen. Die These über die sozialistische Erziehung wird als „unsterbliches Erziehungshandbuch“ gesehen, das die pädagogischen Ideen, Theorien und Methoden der Juche-Ideologie für die nordkoreanischen Schulbildung umfassend zusammengefasst und bildet den wichtigsten pädagogischen Rahmen und ermöglicht uns somit zu verstehen, was die pädagogischen Ziele des schulischen Koreanischunterrichts in Nordkorea sind. Als Nächstes werde ich analysieren, wie „Werte“ in den unter Kim Jong-un neu überarbeiteten Schulbüchern der Grundschulen, Mittelschulen und Oberschulen in Zusammenhang mit der These über die  sozialistische Erziehung dargestellt werden. 

Die Bedeutung dieser Studie liegt darin, dass sie durch die Untersuchung der Grenzen und Möglichkeiten der Vermittlung von Werten im schulischen Koreanischunterricht in Nordkorea, Auswirkung auf die Zukunft und Richtung der schulischen Bildung in Nord- und Südkorea hat.

II. Wertevermittlung im Koreanischunterricht in Nordkorea 

Der Koreanischunterricht an nordkoreanischen Schulen basiert auf der Juche-Ideologie. Die Vermittlung von Werten im Koreanischunterricht dient den Schülern als ein Kanal, um die pädagogischen Inhalte der Juche-Ideologie effektiv aufzunehmen und sie in die Lage zu versetzen, die Lehren des „Führers“ zu akzeptieren und diese Werte in ihrem Leben zu verwirklichen. In Nordkorea hat die Lehre des Führers die höchste Autorität, und von den Schülern wird erwartet, dass sie die erzieherischen Werte der Juche-Ideologie in Form von Umgangsformen und Verhaltensweisen bedingungslos akzeptieren. 

Der Inhalt der „Werte“ in den Schulbüchern entspringt der These der sozialistischen Erziehung. Die Art und Weise, wie diese Ergebnisse im Koreanischunterricht an die Lernenden weitergegeben werden, gleicht einem Kanal.  

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